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Was ist Achtsamkeit? Bedeutung und 5 einfache Übungen für deinen Alltag

Autorenbild: Danielle Wipper
Danielle Wipper
8. Okt. 2024
7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Stunden


buddha mit gestapelten steinen am meer

Dieser Beitrag enthält Werbung (Affiliate-Links).


Hast du dich schon mal dabei ertappt, wie du eine ganze Mahlzeit gegessen hast, ohne wirklich zu schmecken? Oder wie du an deinem Zielort ankommst und kaum mitbekommen hast, was dir unterwegs begegnet ist?

Manchmal erledigen wir eines nach dem anderen, während unsere Gedanken längst beim nächsten Termin oder beim Gespräch von gestern sind. Erst abends fällt uns auf, wie wenig wir vom eigenen Tag bewusst wahrgenommen haben.

Achtsamkeit lädt dich ein, zwischendurch innezuhalten und wieder mitzubekommen, was gerade geschieht. Beim ersten Schluck Tee, beim Zuhören oder in einem Moment, in dem dir alles zu viel wird. In diesem Beitrag erfährst du, was Achtsamkeit bedeutet, was sie von Meditation und positivem Denken unterscheidet und wie du mit fünf einfachen Übungen beginnen kannst.



Was bedeutet Achtsamkeit?


Achtsamkeit bedeutet, deine Aufmerksamkeit bewusst auf den gegenwärtigen Moment zu richten und dem, was du wahrnimmst, möglichst offen zu begegnen.

Dazu gehören Geräusche und Gerüche genauso wie Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen. Du kannst bemerken, dass deine Schultern angespannt sind, dass du dich freust oder dass deine Gedanken immer wieder zu einer Sorge wandern. Häufig wird Achtsamkeit mit „Wahrnehmen ohne Bewertung“ beschrieben. Das heißt nicht, dass du plötzlich keine Bewertungen mehr haben darfst. Auch ein Gedanke wie „Ich kann einfach garnichts richtig machen“ kann dir auffallen. Dann kannst du ihn als Gedanken erkennen und deine Aufmerksamkeit wieder dem zuwenden, was du gerade tust. Das Abschweifen gehört dazu. Ebenso das Zurückkommen.



Wie sieht Achtsamkeit im Alltag aus?


Stell dir vor, du bekommst eine Nachricht, die dich ärgert und du möchtest sofort eine passiv aggressive Antwort zurück schreiben. Ein achtsamer Moment könnte so aussehen: Du legst das Handy kurz ab. Du bemerkst, dass du die Zähne zusammenbeißt und deine Hände angespannt sind. Innerlich benennst du, was gerade passiert: „Ich bin wütend.“

Anschließend entscheidest du, ob du direkt antworten möchtest, erst nachfragst oder dir etwas Zeit nimmst. Der Ärger muss dafür nicht verschwinden. Du schaffst dir einen kleinen Moment, in dem du deine Reaktion bewusster wählen kannst.

Achtsamkeit bedeutet auch nicht, alles hinzunehmen. Du darfst Grenzen setzen, ein Gespräch beenden und etwas verändern, das dir nicht guttut.



Achtsamkeit, Meditation und positives Denken: Was ist der Unterschied?


Diese Begriffe begegnen uns oft gemeinsam, haben aber unterschiedliche Schwerpunkte.

Begriff

Worum es dabei geht

Ein Beispiel

Achtsamkeit

Wahrnehmen, was gerade da ist, und möglichst offen damit umgehen.

Du bemerkst beim Essen Geschmack und Konsistenz.

Meditation

Eine bewusste Übungszeit, in der du beispielsweise mit Aufmerksamkeit arbeitest. Achtsamkeit kann eine Form davon sein.

Du sitzt einige Minuten und beobachtest deinen Atem.

Positives Denken und Affirmationen

Gedanken gezielt ermutigend ausrichten.

Du sagst dir: „Ich darf heute einen Schritt nach dem anderen gehen.“

Du kannst diese Ansätze miteinander verbinden. Ein ermutigender Satz darf dich begleiten, während du gleichzeitig bemerkst, dass du traurig oder angespannt bist.

Wenn du Meditation näher kennenlernen möchtest, lies meinen Beitrag:



Was kann Achtsamkeit bewirken?


Achtsamkeit ist weit mehr als nur ein Wellness-Trend – sie ist eine wissenschaftlich gut erforschte Methode, die unser Gehirn und unser Wohlbefinden nachhaltig verändert. Wenn wir lernen, den gegenwärtigen Moment bewusst und bewertungsfrei wahrzunehmen, setzen wir eine Kettenreaktion von positiven Effekten in Gang. Die Wirkung lässt sich am besten in drei Lebensbereichen zusammenfassen:


1. Mentale Stärke und emotionale Balance

  • Gelassenheit statt Autopilot: Im Alltag reagieren wir oft impulsiv. Achtsamkeit schafft einen Raum zwischen dem Reiz und unserer Reaktion. Wir steigen aus dem emotionalen „Autopiloten“ aus und entscheiden bewusst, wie wir handeln.

  • Weniger Grübeln: Durch den Fokus auf das Hier und Jetzt wird das Gedankenkarussell gestoppt. Ängste vor der Zukunft oder Sorgen über die Vergangenheit verlieren ihre Macht.

  • Stärkere Resilienz: Regelmäßiges Training macht uns widerstandsfähiger gegen psychische Belastungen und schützt vor Burnout.


2. Körperliche Gesundheit

  • Spürbarer Stressabbau: Achtsamkeit senkt nachweislich den Spiegel des Stresshormons Cortisol. Der Blutdruck stabilisiert sich, das Nervensystem beruhigt sich und der Körper schaltet vom „Flucht-oder-Kampf“-Modus in die Erholung.

  • Besserer Schlaf: Wer abends die Gedanken des Tages achtsam loslassen kann, findet schneller in einen tiefen, erholsamen Schlaf.

  • Linderung von Schmerzen: Studien zeigen, dass Achtsamkeitstraining den Umgang mit chronischen Schmerzen verändert. Der Schmerz wird nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen, wodurch das Schmerzempfinden sinkt.


3. Fokus und Leistungsfähigkeit im Alltag

  • Messerscharfe Konzentration: Das Gehirn funktioniert wie ein Muskel. Achtsamkeit trainiert den Fokus, wodurch wir uns weniger leicht ablenken lassen und Aufgaben effizienter erledigen.

  • Bessere Beziehungen: Wer achtsam ist, hört besser zu. Das stärkt die Empathie und verbessert die Kommunikation mit dem Partner, der Familie oder den Kollegen.


Achtsamkeit verändert nicht die Welt um uns herum, aber sie verändert radikal die Art und Weise, wie wir sie erleben. Sie schenkt uns die innere Ruhe, die wir in einer hektischen Welt so dringend brauchen.



Meine persönliche Reise zur Achtsamkeit


Manchmal beginnt etwas mit einem kleinen Geschenk. Bei mir waren es Achtsamkeitskarten, die meinen ersten Berührungspunkt mit Achtsamkeit bildeten.

Die Karten gaben mir etwas Konkretes an die Hand: einen Gedanken, eine Frage oder eine kleine Übung, für die ich mir einen Moment Zeit nehmen konnte. So bekam ich erste Anregungen, wie Achtsamkeit in meinem eigenen Alltag aussehen könnte. Vielleicht spricht dich diese Art des Einstiegs auch an. Die Achtsamkeitskarten* von Lebenskompass bieten dir Impulse, aus denen du auswählen kannst, was gerade zu dir passt.



6 einfache Achtsamkeitsübungen für Anfänger


Wähle zunächst eine Übung aus. Du brauchst die Liste nicht abzuarbeiten. Die Zeitangaben sind kleine Einstiege und dürfen zu deinem Alltag passen.


1. Eine Minute den Atem beobachten

Für einen kurzen Moment zwischen zwei Aufgaben.

Setze dich bequem hin und spüre den Kontakt zum Stuhl oder zum Boden. Lass die Augen offen oder schließe sie, wenn es sich angenehm anfühlt.

Beobachte, wo du deinen Atem wahrnimmst: an der Nase, im Brustkorb oder am Bauch. Du musst ihn weder vertiefen noch verlangsamen.

Wenn du abschweifst, bemerke es und kehre zur nächsten Atembewegung zurück. Für den Anfang können auch drei bewusst wahrgenommene Atemzüge genügen.


2. Die ersten drei Bissen bewusst essen

Für dein Frühstück, Mittagessen oder einen kleinen Snack.

Lege das Handy für die ersten drei Bissen beiseite. Schau dein Essen kurz an und nimm, wenn möglich, seinen Geruch wahr.

Achte beim Kauen auf Temperatur, Geschmack und Konsistenz. Was verändert sich, während du kaust?

Wenn deine Gedanken schon bei der nächsten Aufgabe sind, kehre zu dem zurück, was du gerade schmeckst. Danach kannst du deine Mahlzeit ganz normal fortsetzen.


3. Einen kurzen Körper-Check machen

Für eine Pause am Schreibtisch oder auf dem Sofa.

Spüre zunächst deine Füße und den Kontakt zum Boden. Wandere mit deiner Aufmerksamkeit anschließend zu deinen Händen, Schultern und deinem Kiefer.

Was fällt dir auf? Vielleicht Wärme, Druck, Anspannung oder auch wenig Eindeutiges. Du musst nichts Bestimmtes empfinden.

Wenn du möchtest, verändere danach deine Sitzposition oder lockere deine Schultern. Für eine kurze Variante genügt es, nur einen Körperbereich wahrzunehmen.


4. Zehn Schritte aufmerksam gehen

Für den Weg durch die Wohnung oder einen Spaziergang.

Wähle einen sicheren Abschnitt und gehe zehn Schritte in einem angenehmen Tempo. Nimm wahr, wie deine Füße aufsetzen und sich dein Gewicht verlagert.

Lass deinen Atem natürlich fließen und behalte deine Umgebung im Blick.

Wenn du ins Planen gerätst, richte deine Aufmerksamkeit wieder auf den nächsten Schritt. Du kannst jederzeit beim normalen Gehen weiterüben.


5. Eine Handypause mit offenen Sinnen machen

Für einen Moment, in dem du automatisch zum Bildschirm greifen möchtest.

Lege dein Handy für eine Minute außer Reichweite. Entdecke drei Dinge in deiner Umgebung: eine Farbe, ein Geräusch oder eine Oberfläche, die du berühren kannst. Nimm sie möglichst genau wahr. Ist das Geräusch nah oder fern? Fühlt sich die Oberfläche glatt, rau, warm oder kühl an? Wenn du den Impuls bemerkst, wieder nach dem Handy zu greifen, registriere ihn kurz und wende dich noch einmal deiner Umgebung zu. Danach entscheidest du bewusst, was du tun möchtest.


6. Wenn du mehr Zeit möchtest: Eine Stunde nur für dich

Neben kleinen Momenten im Alltag darf es auch einmal eine längere Auszeit sein. Eine Stunde, in der du dein Handy beiseitelegst, keine Nachrichten beantwortest und dir etwas zuwendest, das dir Freude macht. Dafür kannst du dir mit einer

60-Minuten-Sanduhr* einen sichtbaren zeitlichen Rahmen schaffen. Wenn du sie umdrehst, beginnt deine Zeit für dich.

So gestaltest du deine Auszeit

Bereite deinen Platz vor. Such dir einen möglichst ungestörten Zeitraum. Lege ein Buch, dein Journal und einen Stift bereit oder koche dir einen Tee. Lass dein Handy möglichst in einem anderen Raum und schalte den Fernseher aus.

Drehe die Sanduhr um und komme an. Beobachte einen Moment, wie der Sand rieselt. Überlege, wonach dir gerade ist. Vielleicht möchtest du lesen, etwas aufschreiben oder einfach mit deiner Tasse am Fenster sitzen.

Wähle eine Beschäftigung und schenke ihr deine Aufmerksamkeit. Du könntest:

  • ein paar Kapitel lesen und bei einem Satz verweilen, der dich berührt

  • deinen Tee bewusst trinken und Duft, Wärme und Geschmack wahrnehmen

  • in dein Journal schreiben: „Was beschäftigt mich gerade, und wofür wünsche ich mir mehr Raum?“

  • zeichnen, aus dem Fenster schauen oder eine Weile einfach sitzen.


Du kannst bei einer Sache bleiben oder zwischendurch wechseln. Lass dir dabei Zeit, statt möglichst viel in diese Stunde zu packen. Wenn du abschweifst oder nach deinem Handy greifen möchtest, bemerke den Impuls und wende dich wieder deiner gewählten Beschäftigung zu. Schließe die Stunde bewusst ab. Wenn du bemerkst, dass der Sand durchgelaufen ist, halte kurz inne: Was war angenehm? Was möchtest du dir bald wieder ermöglichen? Vielleicht schreibst du einen Satz dazu auf. Lesen oder Journaling sind nicht automatisch Achtsamkeitsübungen. Den achtsamen Anteil bringst du hinein, indem du bewusst wahrnimmst, was du tust und wie es dir dabei geht. Diese Stunde ist eine freiwillige Einladung für Tage mit mehr Freiraum. Auch eine kürzere Pause darf reichen, und du kannst deine Auszeit jederzeit beenden. Wenn dir das Ritual gefällt, reserviere dir beispielsweise einmal pro Woche einen passenden Zeitraum.



Häufige Fragen zur Achtsamkeit


Kann ich achtsam sein, obwohl ich ständig nachdenke?

Ja. Gedanken gehören zu deiner Erfahrung. Du übst, ihr Auftauchen zu bemerken und deine Aufmerksamkeit wieder zurückzuführen. Ein gedankenleerer Kopf ist keine Voraussetzung.


Muss ich dabei entspannt werden?

Nein. Du kannst auch Unruhe, Müdigkeit oder Ärger achtsam wahrnehmen. Entspannung kann entstehen, muss aber nicht das Ergebnis jeder Übung sein.


Wie lange sollte ich täglich üben?

Für den Einstieg kannst du mit etwa einer Minute oder einer kurzen Alltagshandlung beginnen. Es gibt keine feste Dauer, die für jeden Menschen passt. Passe die Übung an deine Erfahrung und deine Möglichkeiten an.


Was hat Achtsamkeit mit Selbstmitgefühl zu tun?

Achtsamkeit kann dir zeigen, dass gerade etwas schwierig ist. Selbstmitgefühl beschreibt, wie du dir dabei begegnest: mit Verständnis und Freundlichkeit.

Wenn du bemerkst, dass du abgeschweift bist, kannst du dir beispielsweise sagen: „Ich war gerade woanders. Jetzt komme ich zurück.“


Ein bewusster Moment kann ganz gewöhnlich sein

Du brauchst keinen stillen Morgen und keinen leeren Kalender, um Achtsamkeit auszuprobieren. Vielleicht beginnt sie damit, dass du beim nächsten Gespräch wirklich zuhörst oder beim Spaziergang für einen Moment die Luft auf deiner Haut spürst. Wähle heute eine kleine Gelegenheit und schau, was du dabei wahrnimmst. Du darfst neugierig sein, abschweifen und wieder zurückkommen.


Welche der fünf Übungen möchtest du ausprobieren? Schreib es gerne in die Kommentare – ich freue mich auf deine Erfahrungen.




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